KünstlersozialkasseFür Leistungen wie Web- oder Grafikdesign müssen Sie als Auftraggeber Abgaben an die Künstlersozialkasse leisten, wenn sie von freiberuflichen oder selbstständigen Designern erbracht werden. Unter dem sperrigen Namen Künstlersozialabgabestabilisierungsgesetz sind zum 1.1.2015 Bestimmungen in Kraft getreten, die auch Onlineshopbetreiber betreffen können. Neben einem hohen Bußgeld wird es in Zukunft auch deutlich mehr Kontrollen geben.

Auftragsleistungen ab 450 Euro Rechnungssumme galten bislang schon als Abgabepflichtig. Seit dem Jahresanfang 2015 ist die Abgabepflicht weiter konkretisiert. Der Gesetzgeber hat jetzt festgelegt, dass diese Summe pro Jahr und nicht pro Auftrag gilt. Das mitunter praktizierte Aufteilen eines Projekts in viele Einzelprojekte, die mit 450 Euro oder weniger abgerechnet werden, ist somit nicht mehr möglich.

In einer aktuellen Pressemeldung berichtet die Künstlersozialkasse, dass die Zahl der Betriebsprüfungen durch die Rentenversicherer deutlich ausgeweitet wird. Wurden bisher ca. 70.000 Betriebe pro Jahr auf die Korrektheit der Meldungen an die Künstlersozialkasse geprüft, so werden es nunmehr um die 400.000 Firmen sein. Darüber hinaus hat die Künstlersozialkasse ab diesem Jahr auch ein eigenes Prüfrecht.

Die Bußgelder bei Verstößen sind erheblich und können Onlineshop-Betreiber leicht in arge Bedrängnis bringen. Seit dem 1.1.2015 gilt ein einheitlicher Bußgeldrahmen von 50.000 Euro. Im Falle einer Betriebsprüfung kann die Abgabe auch für mehrere Jahre rückwirkend eingefordert werden.

Onlineshops und die Künstlersozialkasse

Der Beitrag zur Künstlersozialkasse wurde vom Bundesarbeitsministerium 2014 zuletzt auf 5,2% der Auftragssumme festgelegt und ist vom Auftraggeber abzuführen. Wenn Sie als Onlineshop-Betreiber einen freiberuflichen oder selbständigen Webdesigner oder Grafikgestalter beauftragen, dann müssen Sie selbst aktiv werden und diese Beiträge zahlen.

Die Abgabe an die Künstlersozialkasse entfällt nur dann, wenn Sie eine Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt), KG, GmbH, Ltd. oder AG beauftragen. Dies wird üblicherweise eine Internet-Agentur sein. Sofern diese ausschließlich Festangestellte mit Ihrem Auftrag beschäftigen, geht die Künstlersozialkasse leer aus. Gibt die Agentur den Auftrag aber wiederum an einen Freiberufler weiter, dann ist in diesem Falle die Agentur abgabepflichtig. In beiden Fällen haben Sie als Shopbetreiber aber keine Zahlungsverpflichtung gegenüber der Künstlersozialkasse.

Haben Sie im vergangenen Jahr freiberufliche oder selbständige Designer beauftragt? Dann sollten Sie unter www.kuenstlersozialkasse.de die nötigen Formulare laden. Meldungen zum Vorjahr können bis zum 31.3. des laufenden Jahres eingereicht werden.

Agenturen und die KSK

Eine spontane Umfrage unter (Web-)Designern hat ergeben, dass vier von fünf Agenturen überhaupt nichts mit dem Thema Künstlersozialkasse anfangen konnten. Einer kannte die Problematik und wurde kundenseitig auch bereits mit einer fälligen Nachzahlung konfrontiert. In keinem der Fälle informieren die Agenturen/Designer die Kunden proaktiv über die anfallenden Mehrkosten in Höhe von 5,2%. Verständlich, da damit zu rechnen ist, dass der Auftraggeber damit einhergehend gleichzeitig eine Reduzierung des Angebotspreises um die gleiche Summe fordern wird. Ebenso verständlich, weil die Abgabenpflicht beim Auftraggeber liegt und der Webdesigner auch sonst keine steuerliche Beratung für seine Kunden durchführt. Nichtsdestotrotz: Steht eine Prüfung ins Haus, kann die Nachforderung der KSK und ein evtl. verhängtes Bussgeld für böse Überraschungen sorgen.

 

Checkliste Künstlersozialkasse

  • Prüfen Sie, ob Sie freiberufliche Webdesigner oder Grafikgestalter in der Vergangenheit beauftragt haben. Wenn ja, melden Sie die Aufträge bei der Künstlersozialkasse und führen Sie die Beiträge ab. Meldungen für das vergangene Jahr können noch bis 31.3. eingereicht werden.
  • Ist der Auftrag noch nicht erteilt, prüfen Sie vor Auftragsvergabe, ob der Auftragnehmer unter die Regelungen fällt. Sie können die Abgabenpflicht nicht auf den Designer abwälzen – die Beiträge sind immer vom Auftraggeber zu zahlen!
  • Sicherer ist es, eine UG, KG, GmbH, Ltd. oder AG mit den Arbeiten zu betrauen. Neben der Einsparung der KSK-Abgaben hat dies auch weitere Vorteile wie zum Beispiel das größere Personalpolster im Urlaubs- oder Krankheitsfall.