Tragen Sie sich mit dem Gedanken, Ihren Onlineshop zu verkaufen oder einen bestehenden Onlineshop zu erwerben und Ihrem Portfolio hinzuzufügen? Wir zeigen, worauf Sie bei der Wertberechnung achten müssen.

Angebot und Nachfrage

Was in den volkswirtschaftlichen Grundlagen gilt, gilt natürlich auch für den Handel von und mit Onlineshops. Je größer die Nachfrage oder das Interesse an einem Shop, desto größer dürfte auch der Preis sein. Daraus folgt entsprechend auch das Gegenteil: gibt es keine Interessenten für einen Shop, dann wird sich das auch negativ aus den zu erwartenden Preis auswirken.

Erfahrungsgemäß lassen sich diese Faktoren nicht in Euro umrechnen. Aber klar ist: Je interessanter ein Shop für den Käufer ist, desto höher dürfte der Preis liegen. Aber wie berechnet sich dieser?

Kaufpreis für einen Onlineshop ermitteln

Die größte Hürde bei der Bestimmung eines Kaufpreises (bzw. Verkaufspreises) ist der Ertragswert. Zwar gibt es auch noch andere Verfahren zur Berechnung eines Unternehmenswertes (Vergleichswertverfahren, Substanzwertverfahren), jedoch ist das Ertragswertverfahren das am häufigsten angewendete. Da sich der Ertragswert jedoch lediglich für die vergangenen Jahre feststellen und nicht in die Zukunft vorhersagen lässt, ist auch hier Vorsicht geboten.

Gerade im E-Commerce ist die zukünftige Entwicklung von viel mehr Faktoren abhängig, als im klassischen Handel. Ändert ein Zulieferer oder eine Absatzplattform wie Amazon oder eBay das Geschäftsmodell oder die Vertriebspolitik kann der Einfluss auf das zukünftige Ergebnis eines Online-Pure-Players enorm sein.

Nimmt man den Blick in die Glaskugel jedoch trotzdem als Grundlage für die Kaufpreisermittlung, dann wird das durchschnittliche Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) mit einem Faktor multipliziert.

EBIT x 4,5 bis 7,0

Für den Bereich Onlinehandel / E-Commerce liegt dieser Faktor derzeit im Bereich 4,5 – 7,0. Gehen Sie also von einem Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen von 150.000 Euro aus, dann können Sie mit einem Kaufpreis/Verkaufspreis in der Bandbreite 657.000 – 1.050.000 Euro kalkulieren. Realistisch ist dieser Kaufpreis aber nur dann, wenn er aus den Firmenerträgen der nächsten fünf bis sieben Jahre abgezahlt werden kann.

Was bei der Kaufpreisberechnung von Onlineshops häufig vergessen wird (und auch noch nicht in die obige Formel einbezogen wurde), ist das Unternehmergehalt des Shopbetreibers. Wird der Onlineshop aktuell von einer Personengesellschaft (GbR, KG, oHG) oder Einzelperson betrieben, die den Gewinn aus dem Shopbetrieb gleichzeitig als Unternehmergehalt bezieht, muss ein realistischer Teil vom Kaufpreis abgezogen werden. Als Wert kann hier 50.000 – 100.000 Euro pro Jahr angesetzt werden.

Wird der Shop durch eine Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) betrieben, müsste die Differenz zwischen dem tatsächlich gezahlten Geschäftsführer-/Vorstandsgehalt zu einem marktüblichen Gehalt (80.000 – 120.000 Euro) dem EBIT hinzugerechnet oder davon abgezogen werden, um einen korrekten Wert zu ermitteln.

Weitere Faktoren beim Onlineshop-Verkauf

Neben der reinen Kaufpreisermittlung nach dem hier (vereinfacht) dargestellten Ertragswertverfahren, spielen noch weitere Faktoren eine Rolle, die den Preis beeinflussen können. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Waren- und Lagerbestände
  • bestehende Verbindlichkeiten und Forderungen
  • getätigte Investitionen (Maschinen, Immobilien etc.)

In jedem Fall ist die Beratung durch Fachleute notwendig. Das betrifft sowohl den Kauf, als auch den Verkauf eines Onlineshops. Zwar kosten M&A-Experten (Mergers and Acquisitions) nicht wenig Geld und lassen sich häufig prozentual am Deal-Wert beteiligen. Hinsichtlich etwaiger Spätfolgen und Rückforderungen durch Garantieübernahme oder die rechtliche und steuerrechtliche Beratung sind aber durchaus sinnvoll, da Shopkäufer und -verkäufer in der Regel über keinerlei Erfahrung in diesem Bereich verfügen. Das folgende Beispiel ist dabei nur eines von vielen.

Share Deal oder Asset Deal

Beim Verkauf eines Onlineshops (oder Unternehmens) haben Sie immer zwei Möglichkeiten. Auf der einen Seite können Sie ein komplettes Unternehmen verkaufen. Dies beinhaltet alles, was zum Unternehmen gehört, inkl. Onlineshop, Warenbestand, Arbeitsverträgen, Immobilien, bis hin zu Bleistiften und Druckerpapier. Beim Share Deal verkaufen Sie also „die ganze Firma“.

Beim Asset Deal hingegen verkaufen Sie Wertgegenstände, einzelne Wirtschaftsgüter. Dies kann auch ein Onlineshop mit zugehöriger Software und Webhostingverträgen sein. Der Warenbestand könnte aber zum Beispiel explizit ausgeschlossen werden.

Welcher Deal – Share oder Asset – der richtige ist, hängt immer von der tatsächlichen steuerlichen und unternehmerischen Ausgangslage ab. Diese zu beurteilen, sollte man aber lieber Fachleuten überlassen.

Haben Sie schon einmal über datenschutzrechtliche Bestimmungen im Rahmen eines Asset Deals nachgedacht? Rhetorische Frage, ich denke nein. Aber hier zeigt sich ein gutes Beispiel für die Problematik beim Kauf/Verkauf eines Onlineshops. Es ist zwar erlaubt, die bestehenden Kundendaten nach dem Kauf eines Shops weiterhin zu nutzen, wenn die Übertragung der Daten beim Verkauf hinreichend dokumentiert wurde. Dies schließt aber die Nutzung von Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Konto- und/oder Kreditkartendaten nur dann ein, wenn die Kunden der Übermittlung dieser Daten an den Käufer explizit zugestimmt haben.