Retargeting-BannerKlaus hatte sich alles so gut überlegt. Bereits vor vielen Wochen fand er auf subtilem Wege heraus, welches Parfum seine Partnerin immer schon mal haben wollte. Frühzeitig hat Klaus Preise recherchiert, Angebote verglichen und sich schließlich für einen Anbieter entschieden. Das Parfum liess er sich ins Büro liefern – die Überraschung schien perfekt.

Nur leider wusste Klaus‘ Partnerin schon lange vor dem Fest, was ihr Geschenk sein würde. Beim Surfen auf dem gemeinsam genutzten Computer wurden in den Wochen vor Weihnachten zunehmend Werbungen für Parfüm im allgemeinen und für ihre spezielle Lieblingsmarke im besonderen angezeigt. Was war passiert?

Zum Einsatz kam eine Technik mit dem Namen Retargeting (bzw. „Remarketing“ im Google-Sprachgebrauch), bei der ein Besucher einer Website, zum Beispiel eines Onlineshops, digital „markiert“ wird und in der Folgezeit vermehrt zielgerichtet Werbung dieses Shops angezeigt bekommt. Dadurch, dass Klaus zahlreiche Onlineshops für Parfüm besucht hat, wurden umfangreiche Markierungen hinterlassen und die Werbeeinblendungen beim Besuch ganz normaler Websites drehten sich irgendwann nur noch um Parfum.

Gerade vor Weihnachten, wenn an heimischen Computern besonders intensiv nach Geschenken recherchiert wird, kann durch die zielgerichtete Werbung die ein- oder andere Überraschung leider platzen. Als Betreiber eines Onlineshops, der Retargeting im Onlinemarketing nutzt, können Sie aber Maßnahmen ergreifen, die Ihren Kunden zugute kommen und dabei helfen, dass der Weihnachtsabend nicht so verläuft, wie in diesem wunderbaren Cartoon.

3 Tipps für schonendes Retargeting

Wenn man Retargeting-Kampagnen über Google AdWords, das Yahoo-Bing Netzwerk, Yandex oder andere Plattformen schaltet, dann gibt es 3 einfache Grundsätze, die auch ausserhalb des Weihnachtsgeschäfts sinnvoll sind, während der Weihnachtszeit aber beinah zwingend anzuwenden sind.

1. Käufer aus der Retargeting-Liste entfernen
Wer das gesuchte Produkt bereits bei Ihnen gekauft hat, für denjenigen brauchen Sie keine Werbung mehr zu schalten. Zum einen wird das Produkt deswegen nicht erneut gekauft, zum anderen verärgern Sie Ihren Kunden möglicherweise oder erwecken einen inkompetenten Eindruck.

Wenn Sie Verbrauchsprodukte wie Kosmetika oder Nahrungsmittel anbieten, die auch wiederholt gekauft werden, sollten Sie die Käufer dennoch in der Vorweihnachtszeit vom Retargeting ausschließen um den Werbe-Stress für Ihre Kunden zu verringern.

2. Entscheidungszyklen beachten
Jedes Produkt hat seinen ganz eigenen Entscheidungszyklus, also die Zeit, in der ein potentieller Käufer sich zur Bestellung entschließt. Sie werden die typischen Zeiten für Ihre Produkte kennen – je näher es auf das Fest zugeht, desto schneller werden die Entscheidungen allerdings getroffen.

Beobachten Sie die Laufzeit Ihrer Retargeting-Kampagnen daher kritisch. Ist es wirklich sinnvoll, einen potentiellen Käufer 4 Wochen lang mit der Werbung für die Produkte anzusprechen? Reichen vielleicht zwei Wochen? Vielleicht sogar eine?

In den letzten 10 Tage vor Weihnachten können Sie die Laufzeit der Retargeting-Werbung sogar auf 3-5 Tage senken. Spätestens ab dem 20. Dezember ergibt die Werbung dann fast gar keinen Sinn mehr, weil  eine Bestellung kaum noch rechtzeitig zugestellt werden kann. In diesem Fall machen Sie letztlich Werbung für den lokalen Einzelhandel.

3. Frequency Capping nutzen
Hier handelt es sich um die maximale Zahl der Werbungen, die ein einzelner Nutzer pro Tag angezeigt bekommt. Gerade beim Google AdWords-System stösst mir dabei immer wieder auf, dass der Standard-Wert viel zu hoch angesetzt wird und die Nutzer mit Werbung regelrecht bombardiert werden. Scheuen Sie sich nicht, den Wert sehr niedrig anzusetzen. Wenn die Werbung nur 3-5 mal am Tag angezeigt wird, tritt der gewünschte Effekt sogar eher ein, als bei einer höheren Frequenz.

Mit diesen 3 einfachen Maßnahmen schonen Sie Ihre potentiellen Kunden und retten möglicherweise den ein- oder anderen Weihnachtsabend. Vergessen Sie aber nicht, die Anpassungen zum neuen Jahr wieder zurückzunehmen.