Fehlerhafte Preisangabe AmazonGerade vor Weihnachten, wenn viele Onlineshops den größten Umsatz im ganzen Jahr machen, sind Fehler bei der Dateneingabe vorprogrammiert. Schnell mal ein neues Produkt einpflegen oder eine Änderung an den bestehenden Produktdaten und schon ist es passiert: Der Artikel mit einer falschen Beschreibung oder einem Preisfehler ist im Onlineshop, bei Amazon oder ebay.

Beide Fehler – Preisfehler und fehlerhafte Beschreibung – kann für den Shopbetreiber im schlimmsten Fall teuer werden. Der Preisfehler, wenn Kunden bestellen. Die fehlerhafte Beschreibung, wenn Konkurrenten die Chance nutzen und eine kostenpflichtige Abmahnung schicken. Lassen wir die fehlerhafte Beschreibung und Abmahnung außen vor; die Folgen dürften allen bewusst sein. Aber was ist mit den fehlerhaften Preisangaben oder mit falschen Mengenangaben, die zu falschen Verkaufspreisen führen? Ist der Anbieter verpflichtet, das Produkt zum falschen (viel zu niedrigen) Preis zu verkaufen?

Preisfehler – zwei aktuelle Beispiele bei Amazon und ebay

Notebooksbilliger.de - Preisfehler ebayNotebooksbilliger.de – einer der großen im Bereich Computer, Smartphones und Weißware (Kühlschränke, etc.) hat sich in der Nacht auf den 10.12.2014 einen (evtl.) teuren Fehler erlaubt. Alle Angebote, die Notebooksbilliger.de auf dem Marktplatz ebay platziert hatte, waren zum Sofort-Kaufen-Preis von 5,99 € erhältlich. Kaum hatte sich der Fehler herumgesprochen, waren einzelne Produkte ausverkauft. Sofern die Kaufverträge wirksam zustande gekommen sind, dürfte der Schaden für Notebooksbilliger.de beträchtlich sein – die fehlerhaften Angebote wurden bei ebay erst nach einigen Stunden beendet/gelöscht.

Und auch einige der kleineren Händler hat es in den letzten Tagen erwischt. Auf Amazon (Screenshot) war (bzw. ist immer noch, Stand 11.12.2014, 11:28 Uhr) ein Angebot für Wolle der Firma LANA GROSSA gelistet. Preislich richtig, jedoch mit einer falschen Mengenangabe. Anstatt einem Knäuel (=50g) wurden hier acht Knäuel (=400g) zum Preis von einem (3,50 €) angeboten. Für den Händler ergibt sich hier ein Verlust von 26,50 € im Vergleich zum UVP (8 x 3,75 €). Betroffen hiervon war u. a. auch einer der größten Wollhändler, die Kemptener Filati Retail GmbH. Hier wurde das fehlerhafte Angebot zwischenzeitlich von Amazon gelöscht, nachdem es von Kunden in Anspruch genommen wurde.

Fehlerhafte Preisangaben anderer Händler

Gerade das Amazon-Beispiel zeigt gut, wie schnell solche Preisfehler bzw. Mengenfehler passieren können.  Während Notebooksbilliger.de für sein Angebot auf ebay selbst verantwortlich ist, übernimmt Amazon die Produktbeschreibung eines (1) Händlers, für alle Händler, die das gleiche Angebot auf dem Marktplatz einstellen. Wessen Beschreibung übernommen wird, entscheidet Amazon nach eigenen Regeln. Macht also ein einzelner Händler einen Fehler, wie die fehlerhafte Mengenangabe „400g“ in unserem Beispiel, dann ist es gut möglich, dass auch alle angeschlossenen Shopbetreiber im Fall der Fälle hierfür gerade stehen müssen.

Irrtum, Anfechtung, Vertragsschluss

Ausschlaggebend dafür, ob der Vertrag mit dem Endkunden nun wirklich zustande gekommen ist, können viele Faktoren sein – abhängig von der Plattform.

Der einfachste Fall spielt sich im eigenen Onlineshop ab. Soweit sie den Vertragsschluss zum Beispiel per Allgemeine Geschäftsbedingungen regeln, könnten Sie als Händler fein raus sein. Kommt der Vertrag zum Beispiel erst einer expliziten schriftlichen Vertragsannahme oder mit der Lieferung zustande, ist der Fall klar. Kein Vertrag=kein Verlust. (Achtung: Eine automatisch nach dem Kauf verschickte Eingangsbestätigung kann eine Vertragsannahme darstellen. Unbedingt auf den Text achten!)

Auf anderen Plattformen gelten dagegen andere Regeln. Und diese müssen Sie zwangsläufig in Ihre Überlegungen genauso mit einbeziehen, wie schlechte Bewertungen, die Sie bei Amazon, ebay & Co. erhalten, wenn Sie den Vertrag von Ihrer Seite anfechten.

Notebooksbilliger.de hat die Bestellungen storniert. Uns liegt eine Mail vor, die offensichtlich vom Händler an einen der Käufer verschickt wurde.  NBB storniert darin die Bestellung auf Grund des Preisfehlers (Fehler in der Datenverarbeitung) und erklärt, dass überhaupt kein Kaufvertrag zustande gekommen sei. Gleichzeitig wird der Kaufvertrag (hilfsweise) wegen Irrtums angefochten.  Zurecht?

Wahrscheinlich ja, denn es dürfte (im Falle notebooksbilliger.de) klar sein, dass es sich hierbei um einen Irrtum handelt und der Kaufvertrag daher zumindest anfechtbar ist, soweit er überhaupt verbindlich geschlossen wurde. Dem Saarstedter Computer-Händler können zudem die voraussichtlich eingehenden negativen Bewertungen egal sein – angesichts der Masse an positiven Bewertungen. Zudem dürfte es auch hier einen Anspruch auf Löschung der Bewertungen geben, wenn kein Kauf zustande gekommen ist. Bleibt – wenn durch den Preisfehler kein direkter finanzieller Schaden entsteht – lediglich noch der Aufwand, der durch die Anfechtung, Erstattung der Vorauszahlungen, Kommunikation mit Endkunden und Presse, etc. entstanden ist. Und der ist nicht zu unterschätzen, egal ob beim großen IT-Händler oder beim kleinen Wollverkäufer.

Update vom 11.05.2015:
Anders liegt der Fall in einem aktuellen Preisfehler beim Bücher- und Medienversand Thalia. In den Onlineshop-AGB von Thalia heißt es zum Thema „Zustandekommen des Vertrags“:

§ 2 Abs.4: Über Produkte aus ein- und derselben Bestellung, die nicht in der Versandbestätigung aufgeführt sind, kommt kein Kaufvertrag zustande. Bei der Zahlungsart „Vorkasse“ kommt der Kaufvertrag bereits mit Aufgabe der Bestellung durch den Kunden und Versand der Vorkasseaufforderung durch Thalia zustande.

Soweit die Zahlungsaufforderung tatsächlich (automatisch) verschickt wurde, dürfte der Kaufvertrag schwierig anzufechten sein. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob das nicht auch in die Kategorie „Lagerräumung gegen Minipreis+Versandkosten“ passt. Lagerfläche ist für Versandhändler auf Dauer ein hoher Kostenfaktor, der auch auf diesem Weg aufgelöst werden könnte.
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