Vor noch nicht allzu langer Zeit wagte Trigema mit einem Oxid-Shop die ersten Schritte im E-Commerce, kürzlich sprach der Konzern-Chef Wolfgang Grupp gewohnt offen in etailment über seine ersten Erfahrungen und die Auswirkungen auf den Einzelhandel. 

Trigema produziert nach wie vor ausschließlich in Deutschland und Wolfgang Grupp entwickelt sich langsam aber sicher zum Elder Statesman, zu eine Urgestein deutschen Unternehmertums. Wolfgang Grupp ist jemand, der Verantwortung gegenüber seinem Unternehmen und seinen Mitarbeitern nicht nur umsetzt, weil kununu oder Twitter sonst mit schlechten Bewertungen oder shitstorm drohen, sondern aus tiefster und innerster Überzeugung. Wer die mehrteilige Dokumentation über Trigema und Grupp im Fernsehen gesehen hat, mag den Chef und persönlich haftenden Gesellschafter mit ultralangem Swimmingpool und eigener Mega-Grabstätte in Burladingen für einen ausgemachten Spinner halten. Wer aber dabei ein bisschen Ahnung von Handel und Unternehmertum hat, wird schnell merken, warum Trigema nach wie vor erfolgreich ist. Grupp ruht sich nicht auf Erfolgen aus und sagt selbst: „Wer den Wandel der Zeit nicht erkennt, ist fehl am Platz: Egal, wie alt ich bin – ob 50, 70 Jahre oder älter.“

Trigema hat sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt und mehrfach um die eigene Achse gedreht. 1999 wurden zum letzten Mal die eigenen Produktionskapazitäten erweitert und trotzdem macht das Unternehmen jedes Jahr ein kleines, bedächtiges Wachstum. Von Kaufhäusern über SB-Märkte bis hin zu Aldi. Von eigenen „Testgeschäften“ (Outlet-Stores) bis hin zum Onlinehandel. Wolfgang Grupp spricht über Retourenquoten so selbstverständlich, wie manch gestandener Online-Pure-Player. Mit dem einen, vielleicht entscheidenden Unterschied: Grupp verkörpert als Unternehmer nicht nur die Vergangenheit und den aktuellen Stand des Handels, sondern auch die Zukunft.

Grupp hat erkannt, dass sich Hersteller zu Händlern entwickeln und der (Einzel-)Handel in seiner bisherigen Form als Vertriebsschiene nicht mehr benötigt wird. Weil Großkunden seine Ware nicht mehr im Einzel- und Flächenhandel vertrieben haben, musste er eigene Geschäfte eröffnen. Er setzt inzwischen auf den eigenen Onlineshop, auf Amazon und ebay. Diversifizierung ist auch im Vertrieb kein Buzzword, sondern erforderliche Grundlage für erfolgreichen Warenabsatz. Der Familienunternehmer (im wahrsten Wortsinn) passt seine Vertriebspolitik an die Erfordernisse des digitalen Wandels an, anstatt sich auf den verdienten Millionen der vergangenen zwei Dekaden auszuruhen.

Auch wenn die Überschrift „Das Internet tue ich mir nicht an“ ein wenig reisserisch und aus dem Zusammenhang genommen ist: Das Interview bei etailment ist absolut lesenswert!