Amazon musste schon viele Male als Musterbeispiel herhalten. Wir haben wieder eine Funktion bei Amazon entdeckt, die an sich zwar nicht neu, in der Umsetzung aber wirklich nachahmenswert ist. Das Beispiel stammt zwar aus dem Automotive-Bereich, lässt sich aber auf nahezu jeden Produktbereich übertragen, in dem es Ergänzungsprodukte zu einem Hauptprodukt gibt. Es zeigt, wie Amazon mit der Speicherung von Kundendaten die Zufriedenheit auf Seiten des Käufers erhöht, die Retourenquote senkt und die eigenen Einnahmen erhöht.

Fahrzeugauswahl bei Amazon

Fahrzeugauswahl bei Amazon

Hinlänglich bekannt sein dürfte, dass die Auswahl des Bezugsprodukts „Auto“ über die Angabe von Hersteller, Modell und Baujahr funktioniert. Alternativ dazu kann auch die Schlüsselnummer aus dem Fahrzeugschein (Zulassung Teil 2) eingegeben werden. Viel häufiger wird jedoch die Modellauswahl genutzt; Schlüsselnummern sind nicht immer zur Hand. Beispielhaft kann man dies gut beim Anhängerkupplungshersteller MVG sehen. Nach dem gleichen Muster verfährt auch Amazon in der Rubrik Auto, die seit einigen Monaten massiv ausgebaut wird.

 

Speicherung im Kundenprofil

Fahrzeug im KundenprofilNachdem der Benutzer sein Fahrzeug über die drei Dropdown-Menüs ausgewählt hat, wird das Fahrzeug jedoch nicht nur für das aktuell gesuchte Produkt bzw. die Produktauswahl gespeichert, sondern im Kundenprofil abgelegt. Amazon-Kunden sind in der Regel immer bei Amazon eingeloggt. Daher ist es einfach, das Fahrzeug direkt dem Kundenprofil zuzuordnen.

Neben dem aktuell ausgewählten Auto, kann der Benutzer zudem weitere Fahrzeuge, zum Beispiel für Kunden, Familie, Freunde oder den eigenen Fuhrpark speichern und immer wieder aufrufen.

Der Spaß beginnt beim nächsten Besuch

Der Shopping-Spaß beginnt nun unmittelbar beim nächsten Besuch bei Amazon im Produktbereich Auto. Beim nächsten Aufruf der Seite muss der Kunde seine Fahrzeugdaten nicht mehr umständlich auswählen, sondern bekommt in einer Übersicht sofort angezeigt, welche Ersatz- und Verschleißteile für sein Fahrzeug bei Amazon verfügbar sind.

Dieses Beispiel lässt sich auf viele Onlineshops und Produkte übertragen: Tennisschläger und Saiten, Handstrickgarne und Nadeln, Modeartikel und Zubehör, Haustier und Futter, etc.
Amazon verfolgt damit mehrere Ziele (siehe unten); allein das Einkaufserlebnis lässt sich damit in jedem Onlineshop steigern, wenn auf Basis bisheriger Einkäufe Produktvorschläge sowohl im Onlineshop, als auch im Marketing unterbreitet werden. Jeder Klick weniger bis zum Checkout, verringert die Kaufabbruchrate. (Lesetipp zum Thema: CRM für Onlineshops von Olga Walter)

Verfügbare Ersatzteile werden automatisch angezeigt

 

Target-Ads und weniger Retouren mittels Kundendaten

Das Ziel „Einkaufserlebnis = Kundenbindung“ liegt auf der Hand. Dazu kommen für Amazon aber noch zwei weitere handfeste Gründe, die für die Speicherung des Fahrzeugs in den Kundendaten sprechen.

Die Senkung der Retourenquote ist der eine. Hat der Kunde sein Fahrzeug ausgewählt und in den eigenen Daten abgelegt, dann sinkt spätestens ab dem zweiten Ersatzteileinkauf die Retourenquote auf Grund einer falschen Fahrzeugauswahl dramatisch. Einmal kann man versehentlich das falsche Baujahr auswählen, zweimal wird das eher selten bis nicht passieren. Und eine sinkende Retourenquote ist einerseits gut für die Vertriebskosten und andererseits für das Einkaufserlebnis beim Kunden.

Viel interessanter ist für Amazon aber das Ad-Targeting. Amazon ist schon lange kein reines Kaufhaus und kein Marktplatz mehr, sondern verdient nicht wenig Geld mit Werbeanzeigen. Die Werbeanzeigen werden von Werbekunden auf der Amazonplattform ausgespielt. Damit kann der Abverkauf einzelner Produkte innerhalb Amazons angeschoben werden. Und je genauer die Zielgruppe getroffen wird, desto höher ist die Klickrate seitens des Users und damit die Werbeeinnahmen bei Amazon. Und die Werbekunden selbst sind auch zufriedener, weil die Konversionsrate steigt. Das Prinzip ist das gleiche wie bei AdWords.