Und wenn man gar nichts findet, dann gibt es ja noch Teelichter und Servietten. So einfach lässt sich das bisherige Erfolgsrezept des schwedischen Möbelgiganten Ikea zusammenfassen. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist bekannt für sein gespaltenes Verhältnis zum Internet. Aber die Zeiten ändern sich und auch in Stockholm friert irgendwann die Hölle zu: Ikea verkauft bei Amazon.

Heimlich, von den meisten unbemerkt, wurde die bisherige Onlinehandel-Strategie überarbeitet und an die Marktbedürfnisse angepasst. Bis dahin erfolgten Auslieferungen ausschließlich per Spedition, was Frachtkosten zwischen 25,- und 75,- Euro mit sich brachte; auch für das kleinste Teil. Seit kurzem können Standardlieferungen (Gewicht bis zu 30 kg, Größe bis zu 168×60 cm) im deutschen Onlineshop bereits für 3,90 Euro Versandkosten geordert werden; Paket-Lieferungen erfolgen per DHL.

In den USA, einem der stärksten Absatzmärkte, startet Ikea nun einen eigenen Amazon-Shop. Angeboten werden aktuell vor allem Kleinteile und Utensilien, die einfach zu verschicken sind. Größere Möbelstücke sind neben Geschirr, Küchenutensilien und Lampen aktuell noch nicht zu finden. Für Kamprads Firma und für Amazon scheint es ein Testlauf zu sein.

Ikea bei Amazon: Gewinner auf allen Seiten

Aus Sicht des Möbelhändlers ist der Schritt über den Zwischenhändler Amazon und sein FBA-Programm (Fulfillment by Amazon) nur konsequent. Amazon kann im Bereich Handling und Versand von sperrigen Waren (zum Beispiel Weißware) heute schon auf eine jahrelange Erfahrung zurückblicken – im Internetzeitalter entspricht das wohl ganzen Generationen. Zudem verfügt der Versandhändler über ein komplexes, weltweites Logistiknetzwerk, dass sich Ikea erst aufbauen müsste.

Amazon möchte vermehrt in den Möbelhandel einsteigen. Der Markt wächst stetig, viele große Hersteller und Händler zögern aber nach wie vor und Misstrauen dem Internethandel. Mit Ikea bringt Amazon einen Big Player an den Start, der vielen anderen Marken als Versuchskaninchen in fremden Reihen gelten dürfte.

Und die Strategie für den deutschen Markt?

Ob und wann Ikea auch in Deutschland über Amazon ausliefert oder ob doch die gesamte Produktpalette irgendwann im hauseigenen Onlineshop verfügbar sein wird, ist bislang unklar. Bis es hier zu einer Entscheidung kommt, dürften gut und gerne noch einige Monate ins Land gehen. Aber eines ist klar: der Zug rollt.