Existenzgründung mit Onlineshops. Warum es zu zweit besser geht. In den vergangenen 17 Jahren, in denen ich mich mit dem Thema E-Commerce und Onlinehandel beschäftigt habe, habe ich schon viele Onlineshops und Geschäftsmodelle kommen sehen. Viele davon habe ich aber leider auch wieder gehen sehen. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

Mal scheiterten die Geschäftsvorhaben allein am falschen Zeitpunkt. Wie der Aachener Laden Ars Bibendi. Ars Bibendi wollte schon 1998 alles über das Internet verkaufen, was es zum kunstvollen Trinken benötigt hätte. Exklusive Whiskeys und Gins, Cocktail-Shaker und Stößel, Bücher und Zubehör. Damals war die Zeit aber noch nicht so richtig reif für den Onlinehandel. Übrig geblieben ist die (sensationelle) Domain cocktailshop.de und wahrscheinlich ein Haufen Schulden beim Unternehmer.

Andere Male scheiterten die Geschäftsvorhaben an der gesamten Branche. Softwareshop.cc setzte zum Beispiel schon im Jahr 2000 auf elektronische Software-Distribution. Die gesamte Branche war aber damals noch nicht soweit und gängelte den Händler mit AdWords-Verboten, Preis-Diktaten und Liefersperren. Wenige Jahre später war die Softwarelieferung via Internet gang und gäbe – soviel Luft hatte der Händler aber nicht. Er gab sein Geschäftsmodell zwischendrin auf.

Viel schlimmer ist es jedoch, wenn Geschäftsmodelle und Onlineshops an den Gründern selbst scheitern. Und auch das ist mir oft genug begegnet: Wenn fachliches Know-how das betriebswirtschaftliche Verständnis weit überflügelt.

Scheitern ist Programm

Es ist im Onlinegeschäft nicht anders als im Offline-Business. Erfolgreich werden Geschäfte und Geschäftsmodelle immer dann, wenn Fachidioten auf Business-Typen treffen. Wenn sich Altenpfleger selbständig machen, weil sie nicht mehr angestellt arbeiten möchten, dann kümmern sie sich um Alte und pflegen. Sie pflegen, damit sie genug Geld verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Der eigentliche Job nimmt aber soviel Zeit in Anspruch, dass wenig Zeit bleibt für Akquise, Qualitätsmanagement, Personalbeschaffung, Werbung und Marketing. Der tägliche Job frisst mit der Zeit den ganzen Drive auf, der der eigentliche Anstoss für den Schritt in die Selbständigkeit war.

Das Beispiel mit dem Altenpfleger gilt natürlich auch für Schuster, Gastronomen oder Trainer. Wenn ich keine Zeit habe, um mich um die Nebengeräusche der Selbständigkeit zu kümmern, dann fehlt das Potential für Wachstum, Karriere oder Expansion. Und damit auch für hohe Gewinne, für Erfolg, für mehr Geld UND mehr Freizeit.

Bricht nun einer der wenigen Kunden weg, auf denen das Geschäftsmodell beruht oder ändern sich durch äußere Einflüsse (Gesetzgebung, Wettbewerber, etc.) die Rahmenbedingungen, dann ist es schnell vorbei mit dem eigenen Business. Das Tagesgeschäft lässt keine Zeit für eine adäquate Reaktion auf die neuen Umstände.Zurück bleibt dann vielleicht ein KFW-Darlehen, das zurückgezahlt werden will oder nicht unerhebliche Schulden bei Lieferanten.

Im Online-Business ist das nicht anders. Es geht dort alles nur noch ein bisschen schneller. Die absolute Markttransparenz ist dabei Fluch und Segen zugleich. So schnell man Kunden gewinnen kann, so schnell wird man sie auch wieder verlieren. Weil der Wettbewerber eben doch nur einen Mausklick weit entfernt ist. Und weg ist er, der Gründungszuschuss. Schade drum.

Existenzgründung ohne Plan

Viele Shopbetreiber kommen zu ihrem Business, wie die Jungfrau zum Kinde. Das Vorurteil der gelangweilten Unternehmergattin ist dabei nur eines von vielen, aber eher Fakt, als Vorurteil. Während die eigenen Kinder in holländische Markenklamotten gesteckt werden wächst die Idee, einen eigenen Shop zu gründen. Das Kapital ist da, der Wille auch. Allein, es fehlt am Know-how. Nicht im Bereich der Produkte. Sondern im Business-Bereich. Nur weil ich weiß, wie ich mein Kind anziehe, weiß ich noch lange nicht, wie Marketing und Vertrieb im Internet eigentlich funktionieren.

Nur weil ich weiß, wie ich stricke oder häkle – befähigt das zum Schritt in die Selbständigkeit? Nun, Unterstützung seitens Wirtschaftsförderungsgesellschaften gibt es für die eigene Existenzgründung  zuhauf. Gründungscoachings an Volkshochschulen oder durch halbseidene Gründungsberater natürlich ebenso. Und Existenzgründungskredite bekommen Gründungswillige häufig schneller nachgeworfen, als sie sie ablehnen können. Aber reicht das, um einen nachhaltig erfolgreichen Onlineshop zu gründen, der sich länger am Markt behaupten kann, als die ersten zwei oder drei Jahre? Länger, als das Ersparte reicht?
Weiterlesen auf der nächsten Seite …

1 2