Europäische Online-Händler können auf vereinfachte Steuerregeln hoffen. Grund hierfür ist ein Vorschlag der EU-Kommission, demzufolge Händler künftig nur noch eine einzige Steuererklärung pro Quartal für die gesamte EU abgeben müssen. Bisher mussten sich Shop-Betreiber in jedem einzelnen EU-Land für die Mehrwertsteuer-Erhebung anmelden, was für viel Aufwand sorgte.

Hoher Aufwand durch mehrfache Steuererklärungen

Laut EU-Angaben entstünden Händlern derzeit rund 8.000 Euro an Kosten für jedes EU-Land, in dem sie Waren verkaufen. Damit soll jetzt Schluss sein. Die neuen Regelungen würden den Verwaltungsaufwand um ganze 95 Prozent senken. Sowohl der Handelsverband Deutschland (HDE) als auch der europäische Online-Handelsverband Ecommerce Europe zeigten sich ob der Vorschläge äußerst zufrieden.

Insbesondere kleine Unternehmen könnten vom neuen Gesetzesentwurf profitieren. Denn die Mehrwertsteuer für grenzüberschreitende Verkäufe mit einem Wert von bis zu 10.000 Euro würde demnächst komplett im Inland abgerechnet. Auch die Verfahren für Verkäufe mit einem Warenwert von bis zu 100.000 Euro sollen vereinfacht werden. Darüber hinaus müsste die Buchführung der Unternehmen künftig nicht mehr von jedem einzelnen EU-Staat geprüft werden, in dem die Firmen aktiv sind.

Ermäßigte Mehrwertsteuer für Online-Medien

Ebenfalls Teil der Vorschläge ist eine kleinere Reform der Mehrwertsteuer. So will die EU-Kommission es den Staaten freistellen, ob der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent künftig nicht mehr nur für Printmedien, sondern auch für elektronische Angebote gilt. Deutsche Verleger und die Bundesregierung haben schon lange auf diesen Vorschlag gedrängt, bisher allerdings ohne Erfolg.

Derzeit gilt für alle Online-Ausgaben von Zeitungen in Deutschland noch der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Printversionen werden hingegen nur mit dem ermäßigten Satz von 7 Prozent besteuert, obwohl es sich de facto um dieselbe Leistung handelt. Auch für E-Books möchte die EU-Kommission eine Anpassung in die Wege leiten. Wann und ob die Vorschläge umgesetzt werden, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Chancen stehen aber gut, dass noch im Jahr 2017 über die Gesetzesänderungen entschieden wird.