Gutscheinportale und Affiliate-Links sind für Onlineshopbetreiber ein sehr gutes, wenn auch recht teures Marketinginstrument. Das aktuelle Beispiel von obi.de zeigt, wie Händler erfolgreich mit Gutscheinen und Affiliate-Partnern arbeiten können und dennoch nicht unnötig draufzahlen.

Auf Gutscheinseiten wie mydealz oder www.melsungen-online.de (der Klassiker unter den Affiliate-Portalen) gelistet zu werden, ist für Onlineshops grundlegend wichtig. Viele Potentielle Käufer suchen, nachdem sie das Produkt im Onlineshop gefunden haben, gezielt nach Gutscheinen. Der folgende Screenshot der Autofill-Funktion der Google-Suche zeigt zudem, dass Kunden ganz bewusst nach Gutscheinen und Monatsangaben suchen. Auf dem Gutscheinportal angekommen, klickt der Interessent auf den Gutscheinlink und landet wieder im Shop. Dort entweder auf einer speziellen Unterseite mit Informationen zum Gutschein (zum Beispiel bei der Newsletteranmeldung) oder die Rabatte werden automatisch im Warenkorb angezeigt bzw. abgezogen. Häufig funktioniert dies auf Seiten des Onlineshops über Sessions oder Cookies. Die Informationen zum Rabatt werden dabei im Browser des Surfers gespeichert.

Gutschein für obi.deFür die Betreiber der Gutscheinportale ist dieser „Deal“ durchaus interessant. Oft werden sie mittels Affiliate-Programmen am Umsatz im Onlineshop beteiligt. Und das nicht zu knapp. das Screenshotbeispiel zeigt: Selbst die Bewerbung der Gutscheincodes seitens der Gutscheinportale rechnet sich. Die AdWords-Kosten trägt hier ja nicht Obi, sondern melsungen-online.de bzw. coupons4u.de.

Doppelt bezahlen oder dynamische Preisanpassung?

Für den Shopbetreiber bedeutet das eigentlich, dass er zweimal bezahlt: Einmal in Form des Rabattabzugs, ein zweites Mal in Form der Affiliate-Provision. Eigentlich. Die Alternative dazu heißt: Dynamische Preisanpassung im Onlineshop. Verkürzt ausgedrückt heißt das, dass nicht jeder Shopbesucher den gleichen Preis für das gleiche Produkt bezahlt.

Die oben erwähnte Umsetzung des Rabattabzugs mittels Cookie oder Session lässt sich natürlich nicht nur dafür nutzen, einen Rabatt im Warenkorb abzuziehen, sondern auch, um unterschiedliche Preise anzuzeigen. Der folgende Screenshot (11.05.2015, 10:44 Uhr) zeigt zwei identische Produkte im gleichen Onlineshop zur gleichen Zeit. Das einzige, was sich unterscheidet, ist der Preis. Die Produkte im linken Fenster (höhere Preise) wurden über einen Gutscheinlink aufgerufen, der 5€ Rabatt zusichert. Die Produkte im rechten Fenster (niedrigere Preise) wurden über einen „unbelasteten“ Browser ohne Affiliate-/Gutschein-Link aufgerufen. (Die Gegenprobe wurde natürlich auch gemacht: Wird das Cookie im linken Browser gelöscht, werden wieder die niedrigeren Originalpreise angezeigt.)

Für obi.de ergibt sich ein Unterschied von 5,- € bzw. 10,- €. Das entspricht einem Aufschlag von immerhin 6,25% bzw. 16,67%. Durch den Aufschlag wird mindestens ein Teil des Rabatts bzw. der Affiliate-Provision wieder reingeholt. Je nach Aufwand mag es sogar möglich sein, durch die dynamische Preisanpassung ein zusätzliches Plus zu erwirtschaften.

Dynamische Preisanpassung bei Klick auf Affiliate-Link

 

Dynamische Preisanpassung in der Praxis

Ein solches Szenario im eigenen Onlineshop umzusetzen ist nicht ganz trivial. Natürlich sollte in erster Linie darauf geachtet werden, dass den Endkunden nicht auffällt, dass sie trotz Gutschein eigentlich genauso viel (oder sogar mehr) bezahlen, wie vorher.

Voraussetzung für die technische Umsetzung sind verschiedene Preis- bzw. Kundengruppen, die für die jeweiligen Anwendungsfälle definiert und programmier-technisch eingebunden werden müssen. Das solche Preisanpassungen gang und gäbe sind, zeigt dabei unter anderem der Artikel „Höhere Preise beim Einkauf mit dem Smartphone als vom Desktop„, der im vergangenen Jahr bei heise.de erschien. Wie das in der (professionellen) Praxis funktioniert, macht wieder einmal Amazon vor. Die Preise beim größten Onlinehändler schwanken jeden Tag bis zu drei Millionen Mal.

JTL-Repricer

Wenn Händler selbst über Amazon verkaufen, können sie (genügend Vertrauen vorausgesetzt) die dynamischen Anpassungen auch einer externen Software überlassen. Der JTL-Repricer passt den Verkaufspreis der eigenen Produkte wenn nötig im Minutentakt bei Amazon an. Hierbei werden die Konkurrenzpreise automatisch beobachtet und die eigenen Preise im Rahmen einer vorgegebenen Schwankungsbreite angepasst. Der JTL-Repricer ist sowohl in Verbindung mit der JTL-WaWi oder auch als JTL-Web-Repricer ohne Anbindung an die Warenwirtschaft verfügbar.

 

Foto/Beitragsbild: OBI