E-Commerce ist viel mehr als >nur< der Onlineshop.“ Die Quintessenz des E-Commerce-Buches von Alexander Graf und Prof. Dr. Holger Schneider steht schon auf der Rückseite des Covers. Und genau darum geht es in diesem Buch: Um die Komplexität des Onlinehandels, um mögliche und sinnvolle Geschäftsmodelle und um die Strategien, die hinter dem Erfolg der großen Stecken.

Aufgebaut ist das E-Commerce Buch im Wesentlichen in drei Teile: Wertschöpfungsstufen, Case Studies und die sogenannten Praxisfragen. Das einführende Kapitel „Was bisher geschah“ nehme ich als Einleitung explizit aus, da es die Entwicklung des E-Commerce in den vergangenen Jahren nur grob skizziert zusammenfasst. Nichts wirklich neues.

Wertschöpfungsstufen im E-Commerce

Spannend wird es ab Seite 37, wenn die beiden Autoren anhand etlicher Beispiele zeigen, wie guter E-Commerce funktionieren kann. Beispiel „Shorttail, Longtail“. Kann man mit Kleinvieh, wenn man anstatt auf Kühe nur auf Mist setzt, Geld verdienen. Ja, sagen die Autoren und führen mit dem Walmart-Rhapsody-Vergleich ein schönes Beispiel an und zeigen, welchen Einfluss E-Commerce hat.

Graf und Schneider geben in ihrem Buch einen gut durchdachten Einblick in die Bereiche Beschaffung, Produktpräsentation, Marketing, Vertrieb, Kaufabwicklung, Logistik und Kundenservice. Und sie sparen dabei nicht an nachvollziehbaren Praxisbeispielen, die jedem Leser als Anregung dienen können oder auch so manche Funktion in Onlineshops erklären und durchleuchten.

Case Studies

Noch mehr Praxisbeispiele, 25 an der Zahl, nehmen die Autoren im Buchteil „Case Studies“ unter die Lupe; von A wie AboutYou bis Z wie zooplus sind die interessantesten Onlineshops/Händler vertreten, die der deutsche Handel zu bieten hat. Die Shops werden anhand von Geschäftszahlen und in einem Kurzportrait vorgestellt. Zum Thema Handelspositionierung findet sich ein Spinnendiagramm, das Dank der immer gleichen Positionierung am linken unteren Seitenrand einen Schnellvergleich einzelner Shops und Disziplinen möglich macht. Ein wenig kurz und sehr subjektiv kommt die jeweilige Bewertung und Perspektive aus Sicht der Autoren daher. Aber – es handelt sich ja um eine ganz persönliche Meinung – genau das bietet dem Leser nochmal eine andere Sichtweise und Position, die durchaus zum denken anregt.

Praxisfragen

Der Buchteil „Praxisfragen“ widmet sich ebendiesen. Denen, die sich angehende Onlinehändler dringend vor dem ersten Sale stellen sollten. Und den gleichen, die sich E-Commerce-Profis stellen sollten, um ihr eigenes Geschäftsmodell zu hinterfragen. So findet man auch schnell raus, ob man wirklich zu den Profis gehört. Naturgemäß ist dieses Kapitel eher oberflächlich, viele Antworten auf Praxisfragen könnte man auch in einem ganzen Buch zusammenfassen. Das (Unterstellung) wollen die Autoren aber gar auch nicht. Es geht mehr darum, die wichtigen Fragen ergebnisoffen zu stellen: welches Shopsystem? Benchmarks? Strategie? Und nicht zuletzt die eigene Positionierung.

Viele Fragen werden richtig gestellt. Interessant auch die (unbeantwortete) Frage nach dem richtigen CRM und die Feststellung, dass Shopsysteme keinesfalls als PIM (Product Information Management-System) missbraucht werden sollten.

Allein bei der Empfehlung, sich für ein Shopsystem zu entscheiden und demzufolge eine Agentur auszuwählen, widerspreche ich aus tiefster Überzeugung. Warum? Das steht in Praxiswissen E-Commerce.

Das E-Commerce Buch. Meta.

Das E-Commerce Buch eignet sich für (siehe oben) sowohl für Einsteiger, als auch für E-Commerce-Profis. Ein guter Überblick und Ideengeber, viele Praxisbeispiele.

Titel: Das E-Commerce Buch
von: Alexander Graf, Holger Schneider
Verlag: dfv, 1. Juni 2015, 304 Seiten
ISBN: 978-3866413078

 

Diese Rezension ist zuerst erschienen unter:
www.kollewe.com/das-e-commerce-buch