Bezahlen mit Amazon hat sich in den vergangenen drei Jahren nach Start noch immer nicht wirklich in deutschen Onlineshops durchgesetzt. Zu Unrecht, wie wir meinen! Insbesondere in Nischenshops, die nicht zwangsläufig über das Potential für Stammkunden verfügen, ist es eine echt Alternative. Warum, zeigen wir in diesem Beitrag.

Benutzerkonto anlegen, Kennwort vergeben, Rechnungs- und Lieferanschrift angeben, Zahlungsdaten eintragen und letztlich auch noch den Kauf bestätigen. Der Checkout-Prozess in Onlineshops ist oft langatmig und aufwändig. Und jeder Shop verlangt andere Informationen und die Preisgabe von Daten. Mit „Bezahlen mit Amazon“ ist das natürlich nicht anders, jedoch wird der Kaufprozess deutlich verkürzt. Und damit sinkt in der Regel auch die Zahl der Kaufabbrüche dramatisch. „Bezahlen mit Amazon“ funktioniert dabei grundsätzlich ähnlich wie PayPal Express.

Soweit der Kunde über ein Konto bei Amazon verfügt, kann er die dort hinterlegten Adress- und Zahlungsdaten problemlos in den Onlineshop übernehmen und erspart sich die Ausfüllerei nahezu komplett. Dabei werden nicht nur die gespeicherten Adressdaten übernommen, sondern natürlich auch die Zahlungsarten. Je nachdem, ob der Kunde normalerweise bei Amazon per Kreditkarte oder Lastschrift bezahlt, kann er im Onlineshop die Zahlungsart übernehmen. Die Zahlungsabwicklung erfolgt dann zwischen Endkunde und Amazon. Der Händler bekommt seine Zahlungsgutschrift abzüglich der Amazon-Provision nachträglich ausbezahlt.

Am Beispiel des Onlineshops www.explorer-magazin.com zeigen wir die verschiedenen Schritte aus Sicht des Shopkunden. Zunächst werfen wir aber noch einen Blick auf Amazon als Zahlungsdienstleister

Bezahlen mit Amazon, die Fakten

  • 1,9% Umsatzprovision + 0,35€ pro Transaktion
  • geringere Provision auf Nachfrage (bei größeren Umsätzen)
  • keine Monatsgebühr
  • keine Setupgebühr
  • keine Stornogebühr
  • kostenfreie Betrugsprävention

Die Konditionen (Bezahlen mit Amazon im Überblick) ähneln dabei denen anderer Dienstleister, liegen aber in jedem Fall unter den Kosten der gängigen Payment-Service-Provider. Das liegt natürlich an der reduzierten Anzahl involvierter Dienstleister, die sonst immer mitverdienen möchten.

Eine nicht unwesentliche Rolle dürfte der Marketingeffekt spielen: Das positive Amazon-Image strahlt dabei ganz ungewollt auf den Onlineshop selbst ab. Und was Amazon als Vertrauensbonus bei Onlineshoppern genießt, kann für den kleinen Shop nicht schlecht sein.

Bezahlen mit Amazon bei Explorer Magazin

Ist „Bezahlen mit Amazon“ im Onlineshop implementiert, erscheint in der Warenkorbansicht neben dem Button „Weiter zur Kasse“ der „Bezahlen mit Amazon“-Button. Wählt man diesen aus beginnt für den Käufer die „Abkürzung“ via Amazon.

bezahlenmitamazon-auswahl

„Bezahlen mit Amazon“-Button im Warenkorb

In einem Popup-Fenster wird die Amazon Payments-Schnittstelle geöffnet. An dieser Stelle meldet der Kunde sich mit seinen Amazon-Zugangsdaten an. Die von Amazon.de bekannten Logos und Schaltflächen helfen visuell bei der Identifikation der Seite. Der Kunde findet sich so umgehend zurecht.

bezahlenmitamazon-login

Amazon-Anmeldung im Popup-Fenster

 

Sind die Zugangsdaten richtig eingegeben, werden im Onlineshop die bestehenden Eingabemasken für die Rechnungs- und Lieferadresse, sowie die Zahlungsmethoden durch vorgegebene Masken von Amazon Payments ersetzt. Im stehen dabei die bei Amazon.de hinterlegten Adresse und Zahlungsmethoden zur Verfügung, die mittels einfachem Mausklick ausgewählt werden können. Alternativ können natürlich auch neue Daten hinterlegt werden.

bezahlenmitamazon-adresse-payment-maskiert

Amazon Payments-Eingabemasken im Onlineshop

Übernimmt der Kunde diese Daten, wird er direkt auf die letzte Seite des Bestellvorgangs (Checkout) geführt, in der er die Daten nur noch bestätigen und den Kauf abschließen muss.

Er erspart sich auf der einen Seite die erneute Eingabe aller Daten. Vertrauensbildend mag auch die Tatsache sein, dass der Onlineshop nicht mit den sensiblen Zahlungsdaten des Shopkunden in Berührung kommt. Diese werden ausschließlich von Amazon verarbeitet. Und zu Amazon hat der Nutzer ggfs. höheres Vertrauen, als zu einem ihm unbekannten Onlineshop. Zu guter Letzt: Die Bestellschritte sind deutlich konsolidiert. Der Checkoutprozess nähert sich einem One Page-Checkout. Und macht das Anlegen eines Benutzeraccounts überflüssig. Und beides ist bekanntlich gut geeignet, um Bestellabbrüche zu vermeiden.

Zukunft des Payments = Händler als Zahlungsdienstleister?

Apple Pay kommt 2015, PayPal Plus klingt nach „next big thing“ und Amazon Payment ist auch nicht von schlechten Eltern. Deutlich wird, dass die klassischen stand alone-Lösungen weniger werden. Oft müssen einzelne Zahlungsarten nicht mehr für sich im Onlineshop implementiert werden, sondern das Gesamtpaket eines Anbieters. PayPal Plus deckt beispielsweise die folgenden Zahlungsarten ab: PayPal, Lastschrift, Kreditkarte, Kauf auf Rechnung. Und auch via Amazon ist die Zahlung per Lastschrift, Kreditkarte und per Überweisung (nur Privatkunden) möglich.

Da Zahlungsarten für Shopbetreiber einen nicht unwesentlichen Kostenfaktor darstellen, stellt sich natürlich die Frage, ob es sich nicht lohnt, einen genaueren Blick auf die verschiedenen Anbieter zu werfen. Braucht man wirklich so viele verschiedene? Ist „Bezahlen mit Amazon“ (Amazon Payments) eine sinnvolle Ergänzung oder eine echte Alternative (zumindest auf dem deutschen Markt)?

Integration in Onlineshops

Onlinehändler die sich schon einmal mit der Integration von Zahlungsarten in Shopsysteme auseinandergesetzt haben, können ein Lied vom tatsächlichen Aufwand singen. Und wer dafür einen externen Dienstleister bezahlen muss, erst recht. Amazon Payments unterstützt eine Reihe von Shopsystemen, die auch in Deutschland populär sind. Dazu zählen zum Beispiel shopware, magento, JTL-Shop oder OXID. Die komplette Übersicht der unterstützten Systeme gibt es hier. Der Integrationsaufwand ist ingesamt jedoch überschaubar und im Vergleich zu den Systemen einiger Payment-Service-Provider gering(er).

 

Beitragsbild/Screenshot: Amazon.de