Gerade einmal 2 Minuten brauchte Eddy Cue, Senior Vice President bei Apple, um eine stille Revolution im Online-Handel einzuläuten. Am Abend des 9. September versammelten sich Apple-Enthusiasten und Fachpresse um einer der zwei jährlichen Produktvorstellungen zu lauschen. Überraschungen gab es wenige: Sowohl das iPhone 6 als auch die Apple-Armbanduhr waren beide schon vorher durchgesickert. Auch der mobile Bezahldienst Apple Pay überraschte niemanden: Das Bezahlen per Mobiltelefon existiert als Konzept schon länger. Zugegeben, Apple hat das mobile Bezahlen extrem einfach, extrem elegant und sehr unaufwendig gestaltet – dennoch bis dahin noch keine große Überraschung.

Doch dann fragte Eddy Cue beinah nebenher „What about online?“ – was ist mit dem Online-Handel? Und fuhr dann fort, dass Apple das System nicht nur für den stationären Handel konzipiert hat, sondern auch für den E-Commerce zur Verfügung stellt. Einige große Onlinehändler konnten schon für das System geworben werden, dessen Stärken neben der Bequemlichkeit für den Kunden vor allem in der Sicherheit liegen: Der Onlinehändler erhält zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf die Zahlungsdaten des Kunden. Aber auch das ist für den „normalen“ Onlinehandel daily business. Die gesamte Apple Pay-Kommunikation läuft über einmalige Transaktions-ID’s. Die Zahlung wird vom Kunden per Fingerabdruck freigegeben – die Lieferdaten werden dabei automatisch an den Shop übermittelt. Der Kunde muss seine Kreditkartendaten selbst auch nicht mehr eingeben; es werden die bei Apple hinterlegten Daten genutzt. Zahlen per Fingerabdruck.

Systeme wie Amazon Payments oder PayPal Express Checkout bieten diese Funktionen schon lange. Der deutsche Versandhandelsveteran Otto hat vor noch nicht allzu langer Zeit angekündigt, ebenfalls ein solches System herauszubringen. In der Praxis sind diese Modelle aber eher mitunter unkomfortabel zu bedienen und mit Medienbrüchen verbunden. Ich selbst habe erst kürzlich in einem Shop per Amazon Payments bezahlt und mich geärgert, wie kompliziert dieser doch vermeintlich einfache Prozess war und wie verwirrend die Benutzerführung gestaltet wurde (von dem 1 EUR Zusatzgebühr für diese Zahlungsart ganz zu schweigen).

Was Apple da neulich vorgeführt hat, war elegant, einfach, nachvollziehbar und schnell. Vor allem vermittelt es dem Kunden den Eindruck von Sicherheit und Bequemlichkeit. Mit weit über 500 Millionen verkauften iPhones weltweit verfügt Apple über eine Marktdurchdringung, mit der dieses Zahlungssystem, das ab Oktober nahezu jedem iPhone- und iPad-Nutzer kostenlos zur Verfügung steht, ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Mobile Commerce ist mit Apple Pay erwachsen geworden.

Ich geh dann mal, ein Buchkapitel neu schreiben…