Manche Onlinehändler legen die Kosten für Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Kreditkarte auf den Kunden um. Ab 01.01.2018 sind Zahlungsgebühren europaweit verboten.

Hintergrund der Neuregelung ist die sogenannte zweite Zahlungsdienste-Richtlinie (Payment Service Directive 2 – PSD2) der Europäischen Union (EU). Der Deutsche Bundestag hat kürzlich ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, das die Zahlungsdienste-Richtlinie in  deutsches Recht umsetzt. Ab Januar 2018 dürfen Onlinehändler, aber auch Hotels und Fluggesellschaften keine Aufschläge mehr verlangen, wenn der Kunde mit „besonders gängigen“ Zahlungsmitteln wie Girocard, Kreditkarten wie Mastercard und Visa, per Lastschrift oder Überweisung bezahlt. In manchen Kommentaren ist strittig, ob PayPal zu dieser Gruppe auch hinzuzurechnen ist. Wir gehen davon aus, dass kurzfristig alle Zahlungsmittel und -arten unter diese Regelung fallen. Bislang galt: Nur ein zumutbares Zahlungsmittel musste entgeltfrei angeboten werden.

Verbot der Zahlungsgebühren – Folgen für die Händler

Für Händler hat das Verbot der Zahlungsgebühren mitunter starke finanzielle Konsequenzen. So verlangt PayPal aktuell 1,9% der Bruttosumme zzgl. 0,35 Euro pro Transaktion. Für die Nutzung von PayPal Plus werden sogar 2,49% zzgl. 0,35 Euro Gebühr fällig. Im Kreditkartenbereich liegen die Kosten pro Buchung in der Regel etwas höher.

Diese Kosten legen auch große Händler, wie zum Beispiel notebooksbilliger.de (siehe Screenshot) auf den Kunden um. Möchte der Kunde also mit PayPal bezahlen, wird eine zusätzliche Transaktionsgebühr fällig.

Wenn diese nun wegfallen muss, haben Onlinehändler folgende Möglichkeiten:

  • Umlage auf den Verkaufspreis
  • Verstecken hinter den Versandkosten
  • Zahlungsart nicht mehr anbieten
  • Gebührenübernahme durch den Händler
Zahlungsgebühren-Aufschlag für PayPal im Warenkorb (Screenshot: notebooksbilliger.de)

Zahlungsgebühren-Aufschlag für PayPal im Warenkorb (Screenshot: notebooksbilliger.de)

Die Umlage der Zahlungsmittelgebühren auf den Verkaufspreis ist die wahrscheinlich schlechteste Alternative. Gerade im Onlinehandel sind die Preise transparent; Dank Preissuchmaschinen ist der Vergleich verschiedener Onlineshops noch einfacher. Höhere Preise schrecken sofort ab; mit deutlich weniger Kunden ist zu rechnen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Zahlungsgebühren hinter den Versandkosten zu verstecken. Da aber auch Versandkosten heute sehr transparent sind und vom Verbraucher zum Preisvergleich hinzugezogen werden, dürften deutlich höhere Versandkosten ebenfalls eine abschreckende Wirkung haben.

Kostenpflichte Zahlungsarten nicht mehr anzubieten, dürfte als Alternative ebenfalls ausscheiden. PayPal zum Beispiel ist als Zahlungsmittel weit verbreitet und beliebt. Das Vorhandensein selbst Kaufentscheidungen durchaus positiv beeinflussen. Stehen beliebte Zahlungsarten nicht zur Verfügung, hat dies ebenfalls Einfluss auf die Kaufbereitschaft.

Handlungsempfehlung für Onlinehändler

Aus Kundensicht ist die Sachlage klar: diese Kosten muss der Händler tragen. Grundsätzlich dürfte dies der beste Weg sein, um Umsatzeinbußen zu verhindern. Die Empfehlung lautet jedoch, die Zahlungsgebühren zu teilen. Je nach Kalkulation können die Gebühren moderat (und teilweise) auf die Versandkosten aufgeschlagen werden; den Rest sollte der Händler tragen. Denn weniger Marge ist in den meisten Fällen besser, als weniger Umsatz.

Zusätzlich sollten Sie die Chance nutzen, um mit Ihrem Payment-Service-Provider zu verhandeln. Denn die von Payone, Concardis & Co aufgerufenen Gebühren sind nicht in Stein gemeißelt.

Screenshot: Zahlungsartengebühren bei flyeralarm.com

Screenshot: Zahlungsartengebühren bei flyeralarm.com