Für ein wenig Wirbel hat kürzlich ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs EuGH gesorgt. Demnach dürfen Unternehmen kein Servicerufnummern anbieten, wenn für den Verbraucher bei Fragen zu einem bestehenden Vertragsverhältnis Kosten entstehen, die über den Kosten für einen Anruf im Festnetz liegen. Unter anderem berichtete heute.de über das Urteil und die Hintergründe.

Der Fall scheint klar zu sein: Auch Onlinehändler müssten sich demnach von der Angabe von 0180-Nummern auf Ihrer Webseite verabschieden. Andernfalls würden Abmahnungen der Wettbewerber drohen.

0180 im Einsatz

Shopbetreiber nutzen die 0180-Servicenummern zu zwei Zwecken. Auf der einen Seite kommen die Rufnummern in intelligenten Telekommunikationsplattformen zum Einsatz. Über die Webinterfaces der Telekommunikationsanbieter lassen sich Weiterleitungen und Routing genauso ändern oder mit Zeitplänen versehen, wie Statistiken über Anrufer und Anrufannahme erstellen. Häufig hat dies aber inzwischen historische Gründe. Moderne VoIP-Anbieter wie die Düsseldorfer sipgate bieten dies in ihren Modellen auch für Ortsrufnummern an. Ortsrufnummern sind dabei für den Shopkunden günstiger und bergen zudem ein gewisses vertrauenserweckendes Potential.

Auf der anderen Seite werden 0180-Nummer auch heute noch gerne genutzt, um Endkunden vom Anrufen abzuhalten. Mancher Verbraucher wird sich sicherlich überlegen, ob er wirklich wegen jeder kleinen Frage zum Hörer greift, wenn er dafür 14 oder 42 Cent pro Minute berappen muss.

0180 bleibt erlaubt, wenn

Egal aus welchem Grund Onlinehändler nun die teuren Servicerufnummern im Einsatz haben: sie bleiben erlaubt. Entgegen erster Reaktionen auf das Urteil, können Shopbetreiber die 0180-Nummer trotzdem nutzen. Denn im Urteil geht es konkret um „bestehende Vertragsverhältnisse“. Geht es also um den Service nach (!) dem Kauf, sollten Sie Ihren Kunden immer eine Ortsrufnummer oder – aus Image-Gründen – sogar eine kostenlose 0800-Nummer zum Anrufen zur Verfügung stellen. Vor dem Kauf, also im Onlineshop, ist die Angabe der 0180-Nummer weiterhin erlaubt.

Mit seinem heutigen Urteil antwortet der Gerichtshof, dass der Begriff ‚Grundtarif‘ dahin auszulegen ist, dass die Kosten eines auf einen geschlossenen Vertrag bezogenen Anrufs unter einer von einem Unternehmer eingerichteten Service-Rufnummer die Kosten eines Anrufs unter einer gewöhnlichen geografischen Festnetznummer oder einer Mobilfunknummer nicht übersteigen dürfen.